Thema Stressmanagement

Quelle (c): COLT Concret, Ausgabe 4/Oktober 2002   

"Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken"


 Interview mit dem Coach und Berater Henrik Brandt zum Thema Stressmanagement


 Ob im Büro am Arbeitsplatz oder im Urlaub mit der Familie, das Wort "Stress" fällt heute in fast allen Lebenslagen. Ist das Phänomen Stress inzwischen tatsächlich so weit verbreitet oder sind wir einfach schneller/leichter gestresst als früher?

Brandt: Während man noch vor einigen Jahren glaubte, das Stressphänomen beträfe vor allem Führungskräfte - Stichwort Managerkrankheit - weiß man heute, dass es jeden treffen kann. Erhöhte Leistungsanforderungen in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt sowie ständig steigernde Konsum- und Wohlstandserwartungen im Privaten haben Stress zu einem Zivilisationsproblem gemacht.


  Welche Personen (Berufsgruppen bzw. Hierarchieebenen) sind am häufigsten von Stress betroffen?

Brandt: Überforderung aber auch Unterforderung kann Stress auslösen und ist in allen Berufsgruppen und Hierarchieebenen zu finden. Man sollte zwischen Anforderungen bei der Arbeit und der Art und Weise wie man diese bewältigt, zu trennen versuchen. Hohe berufliche Anforderungen müssen nicht zwangsläufig zu negativem Stress führen. Die Höhe des persönlich empfundenen Drucks und der individuell vorhandenen Ressourcen sind entscheidend. Daneben sind bestimmte arbeitsplatzspezifische Faktoren (z.B. Lärm, Staub, grelles Licht) und organisatorische Aspekte ( z.B. Überstunden, Zeitdruck und Schichtarbeit) typische Auslöser für Stress.


   Gibt es Unterschiede in punkto Stress bei Frauen und Männern?

Brandt: Gefährdet sind vor allem diejenigen, die durch Beruf und Familie doppelbelastet sind. Das sind bis heute in der Mehrzahl berufstätige Frauen. Wenn bei einer Doppellastung nicht geeignete Schutzfaktoren und Bewältigungsstrategien aufgebaut werden, steigt das Risiko zu erkranken. Glaubt man den Zahlen der Experten, ist die Anzahl der Frauen, die an typischen Stresserkrankungen - z.B. Infarkten- erkranken, in den letzen Jahren stetig angestiegen. Der Zusammenhang wird in Risikoverhalten wie stressbedingtem Rauchen, Bewegungsmangel und Ernährungsfehlern gesehen. Das Problem liegt also weniger im Geschlecht als im Lebensstil.


   Ist Stress Ihrer Meinung nach "hausgemacht" - mangelndes Zeitmanagement und Organisationstalent - oder ein fremdbestimmtes Phänomen unserer Zeit - wachsender Informationsfluss und Vernetzung?

Brandt: Stress ist ein sehr individuelles Problem. Es hängt vor allem davon ab, wie der einzelne mit den Anforderungen bei der Arbeit umgeht und welche Bewältigungsmöglichkeiten er hat bzw. für sich sieht. Persönliche Einstellungen, Erfahrung und Qualifikation spielen eine wichtige Rolle. Ein gutes Zeitmanagement und Organisationstalent sind die Basis, um Stress per se vorzubeugen. Dazu gehört auch, die neuen Kommunikationsmöglichkeiten positiv und kreativ zu nutzen und sich nicht zum Sklaven des Handys oder Notebooks zu machen.


  Wie sieht denn der ideale Stress-Manager aus?

Brandt: Klarheit, Selbstsicherheit und Kommunikation sind die Stichworte. Der ideale Stressmanager weiß, was er will und was seine Umwelt von Ihm erwartet. Er kennt seine Stärken und weiß, wie er diese gewinnbringend in seinem Beruf und seinem Privatleben einsetzen kann. Er findet dabei eine Balance zwischen seinen persönlichen Ansprüchen und den Forderungen der Umwelt.


   Wie vermeiden wir im Idealfall unnötigen Stress und wie gehen wir im Ernstfall mit unvermeidbarem Stress um?

Brandt: Zunächst sollte man herausfinden, welche Situationen Stress auslösen und sich fragen, ob man diese verändern oder diesen ggf. aus dem Wege gehen kann. Man sollte sein Handeln an den eigenen Talenten und Zielen ausrichten und in Abstimmung mit den Anforderungen der Umwelt regelmäßig überprüfen. Auch "Nein" sagen können ist wichtig. Bei unvermeidbarem Stress ist Gelassenheit und Ruhe wichtig. Viele erwarten von sich , immer 100% Leistung und mehr bringen zu müssen. Durch überhöhten Selbstanspruch kann ein innerlicher Druck entstehen, der zu einer Abnahme der eigenen Leistungsfähigkeit führt. Aufgestaute Energien können mit Sport und Bewegung oder durch Entspannungstechniken wie Autogenem Training abgebaut werden.


  Bis zu welchem Punkt können wir uns selbst helfen und ab wann sollten wir den Rat von Ärzten und Psychologen annehmen?

Brandt: Die Grenzen der Belastbarkeit können sich in körperlichen Symptomen wie Herz-/Kreislauf- , Magenbeschwerden oder Kopf- und Muskelschmerzen zeigen. Typische psychische Anzeichen sind Unzufriedenheit, Lustlosigkeit und Frustration. Im zwischenmenschlichen zeigt sich Stress häufig in Form von Konflikten, Streit sowie Aggressionen und Rückzugsverhalten. Bei Dauerstress können Burnout, Depressionen und körperliche Krankheiten die Folge sein. Es gilt, auftretende Symptome rechtzeitig wahrzunehmen. Je früher man etwas verändert, desto besser. Der Rat eines Experten hat noch keinem geschadet. Hilfreich kann auch der Besuch eines Stressmanagementkurses oder das Studium von Selbsthilfeliteratur sein.


  Inwiefern sind Unternehmen und Arbeitgeber zur Stressvermeidung und -bewältigung verpflichtet/aufgefordert? Welche konkreten Beiträge können hier geleistet werden?

Brandt: Es liegt in der Verantwortung eines Unternehmens, Mitarbeiter aller Ebenen in der Herstellung einer Balance zwischen den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen und den Anforderungen der Arbeitsaufgabe zu unterstützen. Es sollten dabei die Stärken des Mitarbeiters wertgeschätzt und gefördert werden. Eine fundierte Personalauswahl und -platzierung sowie stete Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter sind notwendig. Stressbewältigung und Leistungsoptimierung sind als gemeinsamer Lernprozess zu verstehen.


  In welchen Situationen fühlen Sie sich persönlich häufig gestresst und wie gehen Sie damit um?

Brandt: Wenn verschiedene unvorhergesehene Ereignisse auf einmal auftreten - Zeitdruck entsteht, dann sage ich mir: "STOP!, bleib ganz ruhig" , konzentriere mich auf meine Atmung, hole ich ein paar mal tief Luft und versuche mich gezielt zu entspannen. Danach lenke ich meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Aufgabe und versuche diese mit Gelassenheit und positiven Gedanken zu analysieren und anzugehen.

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